Deshalb jetzt ein bißchen Nachhilfe in klarer Kommunikation:
Entschuldigung:
falsch: "Oh, ich dachte aber -- ich habe nicht -- ich wollte nur -- ich hatte doch einen guten Grund!"
richtig: "Es tut mir leid!"
Ersuchen:
falsch: "Wieso machst du das so?" [[Antwort]] "Das machst du aber falsch, ich weiß es besser, mach das so!" [[Zufälligerweise fiele dann genau das ab, was der Mensch haben will.]]
richtig: "Ich brauche ein XYZ, kannst du mir bitte eines abgeben? Danke!"
Termin:
falsch: "Ich brauche das noch vor meinem Urlaub."
richtig: "Kann ich das bitte heute noch bekommen? Danke!"
Korrektur:
falsch: "Da stehen aber die falschen Angaben, und das Logo ist auch nicht richtig!"
richtig: "Unser Logo und unsere Web-Adresse haben sich geändert, können Sie das bitte austauschen? Danke!"
Was sich keiner von diesen indirekt herumargumentierenden Zeitgenossen überhaupt klar macht: wenn einer am Boden liegt, tritt man nicht nach; wenn einer direkt 'Kannst du bitte?' sagt, muß schon ein sehr absurdes Ersuchen sein, oder das Gegenüber muß verdammt schlecht gelaunt und knallhart sein, um 'Nein' zu sagen. Einem Argument zu widersprechen, oder zu einer langatmigen Begründung zu sagen 'Interessiert mich jetzt nicht wirklich', das ist wesentlich leichter und auch sozial akzeptabler zu machen.
*finnische Werbung geht so: ein Plakat am Straßenrand, die Produkte der Hausmarke eines Discounters darauf (auf rotem Hintergrund) aufgebaut, und der Schriftzug 'Hyvä ja edullinen' ('Gut und günstig'). Direkter geht es nicht mehr.-
** oder ich falle hier einer gewissen bayerischen G'schertheit zum Opfer, an die ich mich seit über 20 Jahren hier immer noch nicht gewöhnt habe.
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Ja, dazu habe ich mich eben in einer IM-Konversation mit dem Nazgul allen Ernstes verstiegen. Es gab einen Kontext, aber den braucht es nicht...
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Danke an den Nazgul für den Link!
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Und hier ist die Verflechtung von Staat und Kirche noch enger, siehe Kirchensteuerämter beim staatlichen Finanzamt etc. Soll sich doch zur Abwechslung die Kirche mal gesundschrumpfen, und nicht der Rest der Gesellschaft.-
Und das sage ich als nicht ausgetretener Nachfahre von Generationen evangelischer Pfarrer. Aber wir sind jetzt im 21. Jahrhundert angekommen; Religion ist Privatsache, und die Kirchen können nicht mehr davon ausgehen, daß sie eh gebraucht werden. Jede normale Kirchengemeinde hält Ressourcen vor, die nur zwei Mal im Jahr -- zu Weihnachten und zur jährlichen Erstkommunion/Konfirmation -- wirklich ausgeschöpft werden. Ansonsten heizen sie riesige leere Räume. In den Städten gibt es auch noch so viele Kirchengemeinden, daß sie für jeden Stadtbewohner fußläufig zu erreichen sind. Das ist schlicht und ergreifend überdimensioniert. Für Weihnachten können sie doch genausogut Hallen mieten. Abschied von der Staatskirche hieße auch, daß die Kirchen etwas für ihre Leute tun müßten, ihnen etwas bieten müßten, um zahlende Mitglieder zu gewinnen und Teile ihres Apparats weiterzubetreiben. Es käme neues Leben hinein. Man würde sich etwa anschauen müssen, was die orthodoxen Kirchen oder (horribile dictu!) auch der Islam richtig machen, daß dort kein Mitgliederschwund herrscht, die Leute freiwillig Beiträge leisten, weil es eben keinen Kirchenstaatsvertrag gibt, die Leute ganz anders verwurzelt sind und sich identifizieren können mit einem Gemeindebetrieb, den sie selbst am Laufen halten, weil sie ihn haben wollen. Religion gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschheit, das haben wir mit dem Ende des Ostblocks und speziell der Sowjetunion gesehen. Die Nachfrage ist per se da. Unsere Kirchen sind nur so vollgestopft mit Staatsgeldern, daß es sie nicht wirklich zu interessieren braucht, ob sie vielleicht seit Jahrzehnten an der Nachfrage vorbei wirtschaften, während derweil irgendwelche Floater, Baghwan-Jünger und fraudulente Telefon-Astrologen sich das ehemalige Kerngeschäft unter den Nagel reißen. Wenn man sie vom Staats-Tropf losmacht und ihnen sowohl die direkten Subventionen als auch die offizielle Kirchensteuer entzieht, dann überlebt nur das, was gebraucht wird -- und das, was überleben will, muß dafür sorgen, daß es tunlichst wieder gebraucht wird! Um das zu fordern, muß man kein Atheist sein. Ich gebe zu, ich bin keiner. Aber was der Staat der Kirche an Geld reinschiebt, ärgert mich; und nicht nur wegen irgendwelcher Prügel-Priester und Pädo-Pfaffen.
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Man muß eine Weile lesen, bis man drauf stößt. Generell ein sehr lesenswerter Artikel.
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Irgendwie fehlt da nur noch -- Mappus? Baron Googleberg? Schwesterwelle? Auf jeden Fall einer von unseren Superkotzbrockenpolitikern. Aber die sind wohl gerade knapp noch vernünftig genug, sich nicht in enger Umärmelung mit solchen unterirdischen Gestalten ablichten zu lassen...
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Seit zwei Monaten.
Tsk.
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In Abwandlung des Ghandi zugeschriebenen Zitates über die Phasen des Protests könnte man sagen, "Erst ignorieren sie euch, dann lachen sie euch aus, dann schalten sie das Internet ab, dann schießen sie paar Hundert von euch tot, und dann gewinnt ihr."
Eigentlich könnten die Machthaber in diesen Ländern doch schon mal kapieren, daß das mit dem Internet-Abschalten und paar Hundert Leute totschießen total überflüssig ist, und daß sie am besten einfach gleich nachgeben. Selbst wenn sie noch keine Demokratiebewegung im Land haben, sollten sie schleunigst mehr Teilhabe der Bevölkerung auch an direkten Entscheidungen, neue, strenge Anti-
Das gilt auch für Baden-Württemberg!
ETA: Und ganz besonders für Italien! Ich glaube, in die Aufzählung ghört zwischen Totschießen und Gewinnen noch ein 'dann stellt sich Berlusconi hinter eure alten Machthaber'. Die Italiener sollten den Kerl wirklich dringend entsorgen!
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Neuester Tagesordungspunkt: die ISPs erlassen allen Kunden eine halbe Monatsgebühr, als Entschädigung für den staatlich verordneten Netzausfall. Ist ja richtig. Sie haben ihre Leistung mutwillig für einige Tage nicht erbracht und vielleicht ein bisserl zu willfährig gegen das Interesse ihrer Kunden gehandelt. Dafür sollten sie sich schon schämen, und was springen lassen.
Warum aber die Militärs es am Tahrir-Platz nicht so halten wie die Polizei in Stuttgart am Hauptbahnhof, wo die Demonstranten eine Mahnwache in einem Zelt abhalten dürfen (komplett mit Info-Material, Buttons, Aufklebern, und der Möglichkeit, etwas zu spenden) sowie originelle Parolen und Flugblätter am Bauzaun hängen, das leuchtet mir nicht ein. Das stellt doch sicher, daß diejenigen, die kommen, um das auch mal zu sehen, etwas zu sehen haben, und daß die Wutbürger eine Nische haben, in der sie ihr Engagement warmhalten. Und in Stuttgart geht es demnächst vielleicht doch wieder los -- am Tahrir-Platz haben sie soweit fertig! Will sagen, was immer da noch bleiben will, ist im Grunde schon die Vorstufe zur Errichtung des unvermeidlichen Denkmals.-
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Alles andere hat jetzt keinen Sinn mehr, Leute!
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Deshalb hier wieder einer meiner offenen Briefe:
Sehr geehrter Herr Dr. Hawass,
ich schreibe Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, daß in Ihrem Land eine Revolution stattgefunden hat, und zwar ausgehend von dem großen Kreisverkehr direkt vor der Tür Ihres Museums.
Wenn man sich sich den neuesten Eintrag auf Ihrer Webseite anschaut, dann scheinen Sie das nicht mitbekommen zu haben.
Sie dürften einer der wenigen Ägypter außerhalb des Mubarak-Regimes sein, der den 12. Februar 2011 mit 'Traurige Nachrichten' betitelt.
Oder leigt das daran, daß Sie Teil des Mubarak-Regimes waren? Sie waren am 10. Februar bei einer Kabinettssitzung?? Oooops.
Ich höre, Sie seien recht beliebt beim Publikum des Discovery Channel in Amerika. Ich bin sicher, es findet sich ein ägyptologisches Museum an der Ost- oder Westküste der USA, das sie mit Kußhand anstellt, um Schulklassen durch die Ausstellung zu führen.
Oder Sie können Gunther von Hagen helfen, Hosni Mubarak zu mumifizieren, denn der soll ja vielleicht nun doch in Deutschland sein, und dürfte es nicht mehr lange machen.
Sie können auf jeden Fall unbesorgt in die Zukunft blicken.
Mit freundlichen Grüßen,
Sethos
(nicht der in Ihrem Museum)
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Ich mache mal einen neuen Vorschlag; man stelle sich das so Mad-Men-mäßig auf Flipcharts vor:
- Kommen Sie nach Ägypten!
(jubelnde Massen auf dem Tahrir-Platz) - Erleben Sie ein altes Land,
(Zahi Hawass steigt breit grinsend die Treppe zu einer Grabkammer im Tal der Könige hinunter) - mit vielfältigen Traditionen
(Kopten beim Sonntagsgottesdienst, dann Moslems bem Freitagsgebet) - in seinem Aufbruch ins 21. Jahrhundert
(junge Leute mit Laptops auf eine Mauer) - und eine verheißungsvolle Zukunft.
(kurze Fahrt durch einen Basar, wo es von Gerwürzen über Hidjabs bis zu iPhones alles zu kaufen gibt) - Dieses Jahr erleben Sie in Ägypten
(erkennbar YouTube-Ausschnitte von Wael Ghonim, Mona Seif, und jemandem von der Moslembruderschaft, die Al Jazeera Interviews geben) - wie Geschichte gemacht wird.
(fröhliche Menschen umarmen einen etwas verlegenen Soldaten) - Von den Herrschern der Vergangenheit
(Blick über den Saal der Pharaonenmumien im Ägyptischen Museum, dann eine Barkasse in Sharm-el-Sheikh, mit Touristen, die Ferngläser und Kameras mit langen Objektiven halten, Schwenk aufs Land und eine luxuriöse Villa, dann Zoom auf einen Mann im Liegestuhl, der sich als Hosni Mubarak herausstellt und sehr angefressen dreinschaut*) - bis zur Hoffnung für die Zukunft:
(Kinder auf den Schultern ihrer Eltern im Tahrir-Platz) - wir heißen Sie willkommen!
(jemand verteilt Tee; dann das 'Tourists don't leave'-Plakat, dann wieder jublende Massen auf dem Tahrir-Platz)
*nur, wenn man einen guten Screenshot der HD-Version richtig gut aufbläst, sieht man, daß er für die Touristen vermittels Kabelbindern auf dem Liegestuhl fixiert wurde.
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